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Die Yeziden

 

Dr. Khalil J. Rashow

Georg August Universität Gööttingen

 

 

Die Yeziden sind eine nicht-islamische, Kurdisch Religionsgemeinschaft, deren Heimatland sich im Norden des Irak, der östlichen Türkei und Syrien befindet. Seit Jahrhunderten sind sie das Ziel religiöser Verfolgung durch Muslime. Im Laufe des 19. Jahrhunderts suchten eine Reihe von yezidische Gemeinden Zuflucht im christlichen Georgien und Armenien, und in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts nahm die Verfolgung dieser Minderheit - sowohl als Nicht-Muslime wie auch als Kurden – in unerträglichem Maße zu. Der Einsatz der GfbV für die Yeziden hat dazu geführt, daß eine relativ große Anzahl von Menschen aus der Türkei - und später auch aus dem Irak - nach Deutschland flüchten konnte, die hier ihre Religion frei ausüben dürfen. In Deutschland leben inzwischen ca. 40-50.000 Yeziden, die meisten davon in Niedersachsen.

Wohl geprägt durch die lange Geschichte und extreme Art der Verfolgung, der sie in ihren Herkunftsländern ausgesetzt waren, haben die Yeziden keine Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in ihre Heimat. Vielmehr sehen sie die Zukunft ihrer Religionsgemeinschaft in Deutschland.

Daher müssen sich religiöse Traditionen entwickeln, die einerseits der yezidischen Kultur und Religion Rechnung tragen, andererseits aber auch die durch das Leben in Deutschland eingetretenen völligen Veränderungen der Lebensumstände berücksichtigen. Probleme mit ihrer kulturellen Identität, insbesondere der jungen Generation der Yeziden in Deutschland, schienen teilweise sogar größer als die der jungen muslimischen Einwanderer zu sein. Die Yeziden haben diese Problematik erkannt und engagieren sich verstärkt dafür, das Verständnis ihrer Religion und Kultur zu verbessern, sowohl im Hinblick auf ihre eigene Gemeinschaft wie auch im Hinblick auf die deutsche Gesellschaft.

So werden yezidische Zeitschriften (in deutscher und kurdischer Sprache) publiziert, Religionsunterricht für Kinder - und Erwachsene – angeboten und gebildete Yeziden beschäftigen sich intensiv in Debatten mit ihrem Glauben.

Den Yeziden war es lange Zeit nicht erlaubt, Lesen und Schreiben zu lernen, was die Entwicklung eines Systems einer gelehrten Theologie, wie es uns in einer Religion selbstverständlich erscheinen mag, ausgeschlossen hat.

Ihre religiösen Traditionen, die eines nicht-alphabetisierten und in abgelegenen Berggegenden lebenden Volkes, unterscheiden sich daher grundlegend vor denen des Islam oder des Christentums – die beiden Religionen, denen  Yeziden bekannt sind. Während sich interreligiöse Diskussionen im allgemeinen mit Doktrinen beschäftigen oder zumindest von wohldefinerten Glaubensgrundsätzen, können Yeziden ihre Religion auf einer solchen Basis kaum definieren. Für die meisten spielt die geistliche Autorität ihrer religiösen Oberhäupter, die Bedeutung ihrer Heiligen Lieder und ihrer alten religiösen Bräuche eine viel größere Rolle als alle intellektuelle Überlegungen.

Den Yezidismus in einer Weise zu definieren, der sein Überleben in Deutschland garantiert, wird von intellektuellen Yeziden versucht. Sie bemühen sich, die Charakteristika ihres Glaubens und ihrer Tradition in einer Weise darzulegen, die den gegenwärtigen Anforderungen, die die neue Umgebung an sie stellt, gerecht wird.

Die Initiatoren dieses Projekts suchen keinen rein intellektuellen Ansatz für die Beschreibung ihrer Religion. Es ist ihnen bewußt, daß sie mit einem solchen Ansatz kaum das Ziel erreichen würden, das sie vor Augen haben: nämlich ein deutlicheres Verständnis der Eigenheit ihres Glaubens und ein stärkeres Gefühl der Identifikation, der Identität und des Stolzes.

In Anbetracht dieser Überlegungen sollten eine Reihe von hochangesehenen traditionellen Yezidi-"Geistlichen" aus dem Nahen Osten und dem Kaukasus nach Deutschland kommen und den hier lebenden Yeziden (und anderen Interessierten) die Möglichkeit geben, einen wichtigen Teil ihrer Tradition zu erleben, was sonst – aufgrund der gegenwärtigen Lage im Nahen Osten – für lange Zeit nicht möglich wäre.

Ein solches Treffen mit den religiösen Oberhäuptern der Yeziden könnte sowohl für die kulturelle Identität und das religiöse Empfinden der Gemeinschaft als auch für die yezidischen Intellektuellen von unschätzbarem Wert sein, die versuchen ihre Religion mit Begriffen, die aus einer anderen Kultur stammen, zu definieren, dann wieder mit der ursprünglichen Tradition in Kontakt zu sein.

 

 

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