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Die Yeziden.......in ihrer gegenwärtigen Situation

 

 

 

Khalil Jindy Rashow, University of Göttingen

Definition

Die Ezidi bez. Yeziden gehöören zu den ältesten übriggebliebenen menschlichen Gruppierungen, die in den iranischen und hindu-iranischen Gebieten wohnten. D.h. sie sind eine der ältesten kurdischen Religionen, in der Region der großen Zivilisationen im Osten. Ihr Glaube ist älter als Avista und auch als Hindu (Veda ). Wenn die Yezidi den Glauben, der vor Zarathustra existierte, behalten hätten - wie der Wissenschaftler Masa’ud Mohammad gesagt hat - würde ihr Glaube ein Muster für alle hindu-europäischen Bevöölkerungen sein. Die Yezidi glauben an einen einzigen Gott. Dies wird durch ihre religiösen Schriften bestätigt. darüber hinaus glauben sie jedoch fest an "Engel Ta’us". Im Gegensatz zu anderen Religionen sehen die Yezidi ihn als Oberhaupt der Engel, als Symbol der Güte sowie als den für das Universum Verantwortlichen. Die Yezidi glauben auch an die Übertragbarkeit der gööttlichen Macht und daran, daß ein Teil dieser Macht auf diejenigen übertragen wird, die gefestigt im Glauben sind und gute Taten vollbringen (und Propheten). Daher kommen bei ihnen viele Gottgleiche (Xudan) vor. Die berühmtesten von ihnen sind : Scheich Adi, Scheich Sin, Scheich Schams, Scheich Fakhir-Aldin, Mir Hasin Maman, Nassr Din, u.a.. In diesem Kontext ist auch das Ereignis Hinothism zu beobachten : die vermutete Einzigkeit, d.h. an einen Gott zu glauben ohne dabei andere Göötter auszuschließen. Wer sich jedoch vertieft mit der yezidischen Religions-philosophie beschäftigt hat und ihre Festtage sowie die religiöösen Zeremonien kennt, stellt fest, daß dies eine Religion der Naturereignisse und der Entdeckung der Agrarwirtschaft in ihrer primitivsten Form ist.

Die Yeziden sind keine missionarisch-ausdehnende Religion, d.h. ein Yezidi muß von zwei yezidischen Elternteilen abstammen. In der Religionsgemeinschaft werden keine Personen akzeptiert, die aus anderen Religionen stammen. Unabhängig vom Geschlecht werden diejenigen Personen aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, die einen Partner anderer Religionszugehöörigkeit heiraten. Damit die Yeziden nicht nur untereinander Ehen schließen, gibt es fünf verschiedene Heiratsgruppen, zwischen denen Ehen eingegangen werden. Diese Gruppen sind : die Adania, die Schamsania, die Katania, die Pirania, die Meridia.

Wie konnte diese kleine ethnische Gruppe ihre Identität beibehalten und ganze Epochen von Konflikten mit verschiedenen Vöölkern sowie die islamische Gewalt gegenüber anderen Religionen des Ostens überleben ? Dies ist bewundernswert und erstaunlich.

Ich werde nicht die Geschichte der yezidischen Religion niederschreiben. Auch soll hier nicht beschrieben werden, was andere Vöölker, die den Islam zu ihrer Religion gemacht haben, den Yezidi angetan haben. Ich werde vielmehr in kurzer Form die Situation der Yezidi in ihren Siedlungsgebieten und ihre möögliche Zukunft schildern.

Gebiete und Bevöölkerungszahl der Yeziden

Das ursprüngliche Heimatland der Yeziden befindet sich im irakischen Teil Kurdistans, Syrien und der Türkei. Sie leben auch in Armenien, Georgien und ein kleiner Teil im Iran.

Obwohl es keine genaue, offizielle Statistik über die Yeziden gibt, kann man eine Schätzung über ihre Anzahl vornehmen. Ihr gröößter Bevöölkerungsteil konzentriert sich im Irak und wird auf mehr als 400.000 Personen geschätzt. In Syrien befinden sich ungefähr 30.000 Yezidi, 12.000 Yezidi leben in Halab und A’frin  (s. Bericht Gisela Prieß Verwaltungsgericht Braunschweig, Herrn Richter am VG Kurbjuhn, 10.2.1997). In der Türkei war die Anzahl der Yeziden viel gröößer als in Syrien (s. Bericht Bestandsaufnahmne der Restbevöölkerung der Volksgruppen der kurdischen EZIDI (Yezidi, Jesiden) & der christlichen ASSYRER in der Süd-Ost-Türkei (Kurdistan-Türkei) im März 1993). In der Hauptstadt Georgiens, Tiflis, wohnen 30.000 Yezidi (s. das Schreiben des Rasbion-Zentrums an die deutsche Botschaft in Tiflis vom 18.4.1996). Die Anzahl der Yezidi in Armenien ist mit Sicherheit gröößer als in Georgien. Erst kürzlich wurde uns bekannt, dass es in der Region von Karmenschah im Süden des Irans mehr als sechs yezidische Döörfer existieren, deren Zentrum das Dorf Karmin im Südkarmenschah bildet.

Die Yeziden in Europa, den USA, Kanada und Australien

Seit den 70er Jahren und entsprechend den Vereinbarungen zwischen der deutschen und türkischen Regierung sowie aufgrund des großen Bedarfs an Arbeitskräften kamen zahlreiche yezidische Arbeiter nach Deutschland. In den 80er und 90er Jahren haben sich die Auswanderungsgründe der Yezidi verändert. Sie beruhte nicht mehr auf der Suche nach Arbeitsplätzen, sondern war auf die Zunahme der religiöösen, ethnischen und politischen Unterdrückung zurückzuführen. Die Auswanderung ähnelte einer organisierten Form, so dass 98% der Döörfer und die yezidischen Regionen verlassen wurden. Große Zahlen der Bevöölkerung waren auf der Suche nach politischem und menschlichem Asyl. Allein in Deutschland haben sich ungefähr 50.000 Yezidi, die meisten von ihnen aus der Türkei, niedergelassen. Gegenwärtig befinden sich Yeziden in verschiedenen europäischen Ländern wie z.B. in Belgien (ca. 50 Familien), in den Niederlanden (ca. 20 Familien), in Dänemark (zehn Familien, mehr als hundert Personen), in Schweden (ca. 60 Yezidi), in der Schweiz (acht bis neun Familien), in Frankreich (ca. 13 Familien), in Norwegen (eine Familie), in Österreich (eine Familie), in Großbritannien (15 Yezidi). In Kanada leben vier Familien. In den USA gibt es eine yezidische Familie. Die Zahl der in Australien lebenden Yezidi ist nicht näher bekannt.

Die Situation der Yeziden in ihrer Heimat

Irak : Die Yeziden als Opfer des arabisch-kurdischen Konfliktes sowie des islamischen Fundamentalismus

Obwohl die Yeziden in den vergangenen Jahrhunderten im Irak religiöös und ethnisch unterdrückt wurden, bewohnten sie ihre Döörfer und bearbeiteten sie ihre Felder und Ländereien und übten ihre religiöösen Gebräuche an ihren heiligen Stätten aus. Nach der Machtübernahme der Bath-Partei im Jahre 1968 wurde als Richtlinie der Politik dieser Partei beschlossen, dass die Yeziden zu ihren arabischen Ursprüngen zurückkehren sollten. Sie wurden als eine vom Islam abgespaltene Gruppe betrachtet. Aufgrund dieser Politik wurden Programme entworfen, um die Demographie der yezidischen Siedlungsgebiete drastisch zu verändern. Im folgenden sollen einige Tatsachen zu dieser Frage aufgezählt werden :

Nach der Niederschlagung der bewaffneten kurdischen Nationalbewegung am 9.5.1975 erließ die irakische Regierung den Befehl, alle yezidischen Döörfer in der Sinjar-Region, in der sich mehr als 160 Döörfer befanden, zu entvöölkern und die Dorfbewohner zwangsweise in 12 Zentren unterzubringen. Sieben dieser Zentren waren im Norden des Sinjargebirges, die restlichen fünf im Süden des Gebirges gelegen. Das Bath-Regime hat im Rahmen seiner Arabisierungspolitik (die Assimilierung der nichtarabischen Nationalitäten und den Austausch der nichtarabischen durch arabische Siedlungen) die Namen der yezidischen Zentren wie folgt ins Arabische umbenannt :

Die Zentren Nordsingars

Kurdischer Name

Arabischer Name

1. Guhbel

Al Andalus

2. Borik

Al Yarmuk

3. Dihola

Al Qadisia

4. Dugirik

Hittin

5. Sinun

-

6. Khanesor

7. Zorava

Al Taamim

Al A’rubah

Die Zentren Südsingars

Kurdischer Name

Arabischer Name

1. Til Benat

Al Wualid

2. Til Qeseb

Al Bath

3. Gir Zerik

Al A’adnaniah

4. Xirbe Qewala

Al Qahttaniah

5. Sipa Schekh Xidir

Al Gazirah

Aus den Zentren des Sinjarbezirkes wurden Yeziden auch unter Zwang in Richtung Norden und Süden vertrieben. Die Sinjarregion ist zwischen Irak und Syrien gelegenes strategisch sensibles Gebiet. Die irakische Regierung betrachtete dieses Gebiet als Sicherheits- und militärisch abgeschlossene Zone. Dort wurden im Gebirge Überwachungsinstrumente und Radargeräte installiert sowie die weitreichende Skud-Raketen an geheimen Orten aufgestellt. An der Quelle Kania Schib wurden Massenvernichtungswaffen plaziert. Zu Beginn des Jahres 1975 beschlagnahmte die irakische Regierung die Waffen der Yeziden, gleichzeitig aber wurden die arabischen Stämme der Region bewaffnet. Die o.g. Döörfer wurden vööllig zerstöört und deren Wasserquellen und Brunnen zugemauert. Die Bevöölkerung dieser Orte wurde auf das karge Land vertrieben, so daß damals mehr als 1.000 Kinder an den Folgen der harten Witterung starben.

Die Sinjarregion gilt als eines der wichtigsten Agrargebiete, das für seinen Feigenanbau im ganzen Nahen Osten bekannt ist. Aus diesem Grund beabsichtigte die Regierung, dieses Anbaugebiet zu vernichten und die Wasserversorgung, z.B. das Precha-Wasser in das Tal Kolka (es wurde auch Sime-Hestir und Kerse genannt) zu stoppen. Dies alles geschah, um die Beziehung der Yeziden zu ihren Ländern zu zerstöören. Ihre heiligen Stätten und Wallfahrtsorte, wie z.B. Scheich-Schams im Dorf Ausfa, wurden vernichtet. In der Region Karania beschlagnahmte man ihre Ländereien und gab sie an die arabischen Stämme weiter.

Das irakische Bath-Regime fuhr mit seiner Arabisierungspolitik fort, indem es versuchte, die Yeziden zum Beitritt zur islamischen Religion zu zwingen. Dies sollte durch die Zusammenarbeit mit yezidischen Kollaborateuren und die Erööffnung eines Büros mit dem Namen Al Amaui-Büro in Bagdad erreicht werden. Dieses Vorgehen bedeutete einen Verstoß gegen Menschenrechte sowie das Recht auf Meinungs- und Religionsfreiheit.

Die Yeziden-Zentren wurden zu militärischen Kasernen gemacht und in jedem Zentrum erööffnete man ein Büro der regierenden Partei sowie Niederlassungen des Sicherheitsapparates, der Volksarmee und der Polizei. Im Jahre 1992 versuchte man, dort auch islamische Moscheen zu bauen. Diese Bemühungen wurden jedoch durch den ständigen Widerstand der Bevöölkerung zunichte gemacht.

Um die Vorherrschaft der Yeziden im Sinjar und die dichte Besiedlung zu verringern, wurden die Zentren Gir Zerik (= Al Adnania), Xirbe Qewala (= Al Qahttania) und Sipa Schekh Xidir (= Al Gasirah) dem arabischen Regierungsbezirk Al Ba’ag im Süden angeschlossen. Schließlich befahl "das Führungskabinett der arabischen Revolution" in einer geheimen Anordnung, die Sinjarbevöölkerung in den Al Hadir-Bezirk zu vertreiben, der sich 100 km südlich von Sinjar befindet. Dieser Befehl hatte das Ziel, die Yeziden zwischen Arabern anzusiedeln, um ihre Identität zu vernichten. Die Mehrheit der Yeziden drohten der Regierung damit, nach Kurdistan oder Syrien zu gehen, falls die Regierung diesen Beschluß nicht rückgängig machen sollte.

Das irakische Regime bekämpfte die Yeziden nicht politisch, religiöös oder nationalistisch, sondern ökonomisch. Die Regierung beschlagnahmte ihre Ländereien und Felder und entwickelte keinerlei Industrie in der Region. Dies zwang die Bevöölkerung zur Arbeitsuche in Al Mosul, Bagdad und anderen irakischen Städten. Als Folge dieser Entwicklung wurde die soziale Struktur zerstöört und die sozialen Probleme nahmen zu.

Die Al Schikhan-Region / Walate Scheikh

Das Siedlungsgebiet der Yeziden im irakischen Teil Kurdistans ist ein sehr sensibles und strategisch wichtiges Areal der Politik des irakischen Regimes. Diese Region liegt an einer Schnittstelle des kurdischen Gebirges, das als Zufluchtsort, Arbeitsgebiet und Ausgangspunkt für die bewaffnete kurdische Bewegung genutzt wird. Diese von einer yezidischen Mehrheit bewohnte Al Scheikhan-Region befindet am Fuße des Chins-Bafian-Gebirges, 46 km nordöstlich der Stadt Al Mosul-Naynawa. Diese Situation gilt auch für die yezidischen Döörfer Berbin, Binkend, Lifah Qidiya und Beraaf, Khanik sowie für die Al Huria-Dörfer, die die Al Mosul-Ebene im Norden bzw. Nordwesten (in der Nähe der türkisch-syrischen Grenzregion) von den kurdischen Gebirgen trennen.

Die arabische Regierung benutzte die "Politik der verlassenen Ländereien", um das Leben der kurdischen Bewegung zu erschweren und zahlreiche Ländereien Kurdistans einnehmen zu köönnen sowie die Region zu arabisieren. Diese Politik wurde Mitte des Jahres 1975 in folgender Form fortgesetzt :

  1. Es wurden die Bewohner von neun Döörfern im Osten und Süden der Scheikhan-Region vertrieben und in die Lager Mahat und Pauan gebracht. Diese neun Döörfer hießen Mahme-Rashan, Jiruana, Bet Nar, Baksara, Mahmudan, Maqbala, Muskan, Kandala und Karchalis. In diesen Ortschaften wurden arabische Siedler ansässig gemacht sowie mit Geld und Waffen unterstützt.

  2. Das Baadra-Lager besteht aus den Döörfern Berstig, Mal, Gibran, Didwan und einigen Yeziden aus Sinjar und Huarija, die vor 1975 in der kurdischen Bewegung aktiv waren.

  3. Das Alnasrija-Lager besteht aus den Döörfern Tiftijan, Kabara und Khursan.

  4. Das Scheikhan-Lager besteht aus Kirsafa und einem Teil des Khursan-Dorfes.

  5. Das Alrisala-Lager trägt die arabische Benennung der Region der Dörfer Babira-Jagana und anderer Ortschaften, die durch den Bau des Mosul-Staudammes (Sadam-Staudamm) unter Wasser gesetzt worden sind. Dieser Damm wurde durch das irakische Regime errichtet.

  6. Das Khatara-Lager.

  7. Das Scharia-Lager trägt den arabischen Namen Abu Faris al Hamadani und besteht aus den Döörfern Lahf al qaidija (Sina, Scharia, Schekh-Khadir, Khirschnia, Dakan und Klebadir). Es liegt 12 km südlich von der Stadt Duhok. Die Ortschaften wurden 1987 entvöölkert.

  8. Das Kriban-Lager liegt südlich der Stadt Duhok an der Straße zwischen Duhok und al Mosul. Das Lager wurde den Arabern unterstellt.

  9. Das Khanik-Lager besteht aus 13 Döörfern.

  10. Aus den Döörfern, aus denen die Yeziden nicht vertrieben wurden, sind Aysian, Ortschaften, Sirêchka, Bibijan, Nafria, Khoschaban und Bosan. Das irakische Regime hat vor der Machtübernahme durch die Bath-Partei in den Jahren 1963, 1967 und 1975 die Bewohner von 13 yezidischen Dörfern in der Feischkhabur-Region, die in der Nähe der irakisch-türkisch-syrischen Grenze gelegen sind, vertrieben. Die Döörfer heißen Derebun, Bajd Kindal, Bajd Baraf, Aijakasur, Qarula, Kilat Sabbi, Babisnar, Bischakhabur, Kanibisn, Kroiini und Khuki.

Am 16. März 1978 wurde von der irakischen "Führung des Revolutionsrates" die Anordnung Nummer 358 verabschiedet. Ihrzufolge sollten alle yezidischen Liegenschaften in der Scheikhan-Region enteignet und auf Araber übertragen werden.

15 km nordwestlich von Mosul liegen die Städte Baschiqa und Bahsani. Sie – und insbesondere Bahsani - sind zwei der wichtigsten yezidischen Städte. Bahsani ist ein bedeutendes religiööses Zentrum mit zahlreichen heiligen Grabstätten. Die beiden Städte haben über 15.000 Einwohner. Das irakische Regime versucht seit Jahren, einen gefährlichen Plan zu realisieren. Dieser Plan besteht darin, eine starke Veränderung der Demographie dieser Region herbeizuführen. Es wird angestrebt, 10.000 arabisch-islamische Familien in den beiden Städten anzusiedeln sowie 10 Moscheen für die Muslime zu errichten. Dieses Vorgehen schürt unter der gesamten yezidischen Bevöölkerung große Ängste.

Das gröößte und erschreckendste Verbrechen des irakischen Bath-Regimes an den Yeziden ereignete sich 1988 im Rahmen einer Kampagne mit dem Nahmen "al Anfal" (kollektive Vernichtung von 182.000 Kurden nach Beendigung des irakisch-iranischen Krieges und Angriff Kurdistans durch die irakische Armee). Unter diesen Menschen waren 176 Yeziden, überwiegend Mütter, Kinder und alte Menschen, die sich der irakischen Armee ergeben hatten nachdem am 6.9.1988 eine Amnestie erteilt worden war. Ihr Schicksal ist bis heute unbekannt aber es deuten viele Indizien darauf hin, daß sie hingerichtet wurden und viele von ihnen dem experimentellen Einsatz chemischer Waffen zum Opfer fielen (s. die yezidischen Namen in der Vermißtenliste der berüchtigten Anfal-Operation).

Die Yeziden in Syrien, der Türkei, Georgien und Armenien

Ich verfüge zwar nicht in gleich detailliertem Umfang über Informationen bzgl. der Yeziden in diesen Gebieten. Dennoch kann ich aufgrund meiner Begegnungen und meiner Reisen nach Syrien, Armenien und Georgien von 1990 und früher sowie wegen meines täglichen direkten Kontaktes zu derzeit in Deutschland lebenden Yeziden aus diesen Ländern ein Bild über sie geben.

In Syrien z.B. leben die Yeziden in den Regionen Al Jarah, Kamischli, Alhaski, Amuda und Rasalain. Diese Gebiete befinden sich im Norden bzw. Nordosten Syriens. Ein anderer Teil wohnt in Halab, Afrin und den Döörfern des Kurdach-Gebirges (18 Dorfnamen werden aufgelistet).

Die Zahl der Yeziden in Syrien wird auf 30.000 geschätzt. Das syrische Regime versucht ebenso wie das irakische Regime, die Yeziden in die arabische Nation zu reintegrieren. In religiööser Hinsicht betrachten sie die Yeziden als vom Weg abgekommene Muslime. Tatsächlich aber betrachtet die syrische Regierung als Kurden. Die Kurden dort werden als Bürger zweiter Klasse behandelt, falls sie die syrische Staatsangehöörigkeit besitzen oder als Ausländer gesehen, sofern sie syrische Staatsangehöörigkeit nicht erhalten köönnen. Da sie keinen syrischen Papiere haben, köönnen sie nicht in wichtige Berufe vorrücken. Die Mehrheit der Yeziden werden als Ausländer betrachtet und nur wenige haben die syrische Staatsangehöörigkeit. Religiöös gesehen müssen diejenigen Kinder, die das Glück haben eine Schule besuchen zu dürfen, den islamischen Glauben einstudieren und Prüfungen in diesem Gebiet ablegen. Yeziden müssen Eheverträge nach islamischem Recht schließen. Ich habe von vielen in Syrien lebenden Yeziden gehöröt, daß in ihren Papieren als Religion "islamisch" und als Nation "arabisch" angegeben wird. Diese Situation ist vielleicht noch erniedrigender als die Lage in der Halab und Afrin-Region.

Das religiööse und nationale Unrecht an den Yeziden in der Türkei ist deutlicher und härter als in den übrigen Ländern. Die Ereignisse dort bewegen sie dazu, ihre Heimat zu verlassen und nach Deutschland sowie in andere europäische Länder zu fliehen. Heute leben in der Türkei hööchstens 200 Yeziden, überwiegend alte Menschen. Ihre Wohngebiete in Midyat, Nasijin, das zum Kreis Mardin gehöört, wurden entvöölkert. Auch die Döörfer Wiranschahr und die Region Alkhaltija in Amd-Diyarbakir zählen zu den Siedlungsgebieten der Yeziden. Allein in Deutschland leben ungefähr 45 – 50.000 Yeziden, die meisten von ihnen stammen aus der Türkei.

Die Situation der Yeziden war in Armenien und Georgien im Hinblick auf die Religionsausübung, die allgemeinen Lebensverhältnisse sowie die Sprache wesentlich besser während der sowjetischen Zeit. Die religiöösen und nationalem Minderheiten konnten einige ihrer Rechte ohne Unterdrückung durch die Mehrheit ausüben. Dies beruhte allerdings nicht auf der Duldung der Mehrheit, sondern vielmehr auf der allgemeinen Angst vor dem sowjetischen Regime. Damals hatten die Yeziden ihre eigenen Sender in Tiflis und Eriwan sowie auch eine eigene Zeitschrift ("Riaja Tasa" = Der neue Weg). Darüber hinaus besaßen sie die Mööglichkeit zu arbeiten und hööhere Stellungen im Staat und wissenschaftlichen Institutionen zu erlangen. Mit dem Zerfall der Sowjetunion hatten die religiöösen und nationalen Minderheiten jedoch viele Verluste hinzunehmen und der Chauvinismus der Mehrheit nahm zu. Heute betrachten die Georgier und die Armenier die Yeziden z.B. als Verbündete des früheren Regimes und haben daher ihre alten Privilegien beschnitten und sie aus der Verwaltungstätigkeit verdrängt. Andererseits hat die Verstärkung des kurdischen Nationalbewußtseins der Yeziden , insbesondere in Armenien, und die Entstehung einiger kurdischer politischer Organisationen bei den Yeziden dazu geführt, daß ein Teil der armenischen Fundamentalisten die Yeziden mit argwööhnischen Blicken betrachten und sie einer Beteiligung an den Massakern an den Armeniern von 1915 bezichtigen.

Diese und andere Ursachen trugen dazu bei, daß zahlreiche Yeziden ihre Wohngebiete in Armenien und Georgien verließen. Heute köönnen wir höören und sehen, daß sich die Yeziden in auf verschiedene Republiken, wie z.B. Weißrußland, die Ukraine, Rußland – dort vor allem in Kirsindar (?), Moskau und St. Petersburg, Kasachstan und Kirgisien verteilt haben. Eine große Zahl der Yeziden flüchtete nach Deutschland, Frankreich, Belgien , Australien, ... .

Nach diesem kurzen Überblick über die Yeziden in ihren Heimatländern und ihren Wohngebieten kann man die folgende Schlußfolgerung ziehen :

Es nicht wichtig, in einer akademischen Form über die Yeziden, ihre Religion und ihre Geschichte zu schreiben, wesentlich ist vielmehr, daß die Rechte dieser religiöösen und ethnischen Minderheit von den Mehrheiten unterdrückt werden. Ihre religiöösen Rechte werden nicht von den Fanatikern der mehrheitlichen Nationalitäten (arabisch, türkisch, armenisch und georgisch), sondern dieses Mal in einer schlimmeren Form von den kurdisch-islamischen Fundamentalisten unterdrückt. Die Ängste der religiöösen yezidischen Minderheit vor dem Aussterben ihrer religiöösen Kultur und vor allem ihrer Existenz als ethnische Gruppierung bestehen hier zu Recht, insbesondere wenn man die ernste Situation, in der die Yeziden in Kurdistan - vor allem im irakischen Kurdistan - leben, berücksichtigt. Diese besorgniserregende Situation führt zu folgender Frage : Wie ist die internationale und amerikanische Haltung zu Kurdistan (Sicherheitszone)? Bleibt die Situation wie sie sich derzeit darstellt, als eine friedenslose kriegslose Situation? Oder soll Kurdistan nochmals dem irakischen Staat zugeteilt werden? ... Oder soll Kurdistan eine Art von Unabhängigkeit gegeben werden? Welche Sicherheit erhalten die Yeziden bei einer solchen Unabhängigkeit ?

Diese instabile Situation führte zu einem blutigen-selbstmöörderischen Konflikt zwischen den kurdischen Parteien im irakischen Kurdistan (zwischen der Demokratischen Partei Kurdistans, KDP, und der patriotischen Union Kurdistans, PUK oder auch zwischen der KDP und der PKK sowie zwischen den weltlichen kurdischen Parteien und den islamischen Parteien, PUK und der islamischen Bewegung). Diese Situation führte zur Zunahme der Macht der islamisch-fundamentalistischen Richtung, die sich in der Öffentlichkeit in den Moscheen und Freitagsgebeten gegen die Yeziden gewendet hat und zum Kampf gegen diese als nicht an Gott und Mohammad Glaubende aufgerufen hat. Sie haben vor allem in der Duhok-Region dazu aufgefordert, die Yeziden auszugrenzen, nicht mit ihnen Handel zu treiben, nicht ihr Vieh und ihre Milch zu kaufen. Es wurde auch zu vielen anderen Formen der Unterdrückung aufgerufen

Ich glaube, daß die wichtigsten Schutzmaßnahmen für die Yeziden als religiöös-ethnische und sozio-kulturelle Minderheit von Staaten und verschiedenen Organisationen sowie auch durch die Zusammenarbeit mit den intellektuellen Vertretern der yzidi im In- und Ausland übernommen werden sollten. Ich denke hierbei insbesondere an die europäischen Staaten, die die demokratischen Prinzipien befolgen und Menschenrechte schützen, sowie auch die UNO, ai und die sozialen Organisationen, die sich für den Erhalt aussterbender Vöölker einsetzen ... u.s.w.

Um die Identität der Yeziden zu bewahren, ist es erforderlich, daß diese Organisationen und Staaten die intellektuellen Yeziden unterstützen. Dies sollte durch den Beginn einer Zusammenarbeit zwischen ihnen und Zentren sowie Organisationen der Yeziden, insbesondere das Ezidi-Zentrum außerhalb der Heimat in Deutschland sowie des "Lalisch-Zentrums" in Duhok/Irakisch-Kurdistan, geschehen. In der gegenwärtigen Situation, in der 10.000e der Yeziden von ihrer Heimat und ihren religiöösen Zentren in Irakisch-Kurdistan entfernt sind, sollte die Verbindungsbrücke zwischen Yeziden im Ausland und ihren religiöösen Zentren im Irak aufrecht erhalten werden. Gelegentliche Einladungen der religiöösen Führer sollten eine Aufgabe von großer Priorität sein. Andererseits konzentrieren sich die Arbeit und die Bestrebungen unserer Intellektuellen auf die Sammlung und Aufzeichnung aller yezidisch-religiöösen Kulturen. Es wird versucht, diese Kulturen als Wissenschaft in den europäischen Universitäten zu studieren. Man sollte auch konsequent daran arbeiten, auch hohe wissenschaftliche Stellen mit diesen Themen zu befassen. Ferner sollten internationale Konferenzen stattfinden, um die yezidischen Religion bekannter zu machen. Zusätzlich sollten Arbeiten, die praktisch zur Bewahrung der yezidischen Identität beitragen, aufgenommen werden. Natürlich kann diese Arbeit nicht allein von den Yeziden ohne Unterstützung der internationalen humanitären Organisationen und die Universitäten durchgeführt werden.

Dies ist die schmerzliche Realität der Yeziden und hier sind einige praktisch-reale Löösungen für die Bewahrung einer vom Aussterben bedrohten Identität

                                                                                                                    

 

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